Die Berufsjugendlichen auf den Spuren der Lebenden

„Kamasutra und Kiefernholz – so lebt Deutschlands Jugend“ – glauben die Weitweglebenden der lustigen Agentur Jung von Matt in Stuttgart.

Die jetzt erst veröffentlichte (aber durch einen jugendlichen Teilnehmer an der Studie als bereits über ein Jahr alt geoutete Studie) sollte herausfinden, wie der durchschnittliche Jugendliche „von heute“ so lebt. Die sonst per Obrigkeits-Dekret eher auf Tristesse in den Gängen und Sterilität am Schreibtisch fixierte Werbefabrik Jung von Matt, hat mit den Ergebnissen in Stuttgart das Zimmer eines durchschnittlichen 18-jährigen Jungen, den sie hier mal Jan gennant haben, aufgebaut, um „der Zielgruppe näher zu kommen“ und sich mal „wieder zu erinnern, wie es damals als Jugendlicher war“.

Im Artikel zum Film wird von einer traurigen Atmosphäre gesprochen, und genau das habe ich im Bezug auf die scheinbar arg realitätsfernen werbetreibenden (leider nur) Berufsjugendlichen von JvM gedacht. Müssen sich „erinnern“ wie es war als Jugendlicher, können sich nur in ihre Sinusmilieu verseuchte Zielgruppenbild hineinversetzen, wenn sie in der Kulisse einer Statistik leben – haben ihre Lebenswriklichkeit mit anderen Worten soweit von der Wirklichkeit abgekoppelt, dass es ohne räumliche Stimulanzien nicht mehr geht.

Wie sklavisch kann man sich noch an statistische Erhebungen klammern im öden Sumpf der Einfallslosigkeit, um sich selber ein Wolkenkuckucksheim kreativen Umfelds zu erschaffen, gegen das jedes Schulhofgespräch autentischer wirkt!  Letzten Endes – das ist mehr als offensichtlich – geht es auch hier, wie so oft, schlicht um die PR-Wirkung, den Medien-Gag, die simple Nachricht.

Hier ist der Link zum Film: http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,824073,00.html

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